„Gütig hüllt in Finsternissen Gott die Zukunft ein“: Zum 300. Geburtstag von Christian Felix Weiße (1726-1804)
In Leipzigs Stadt-, Kultur-, Literatur- und Theatergeschichte nimmt der Dichter und Kinderfreund, Kirchenpatron, „Lehn, Guts- und Gerichtsherr auf Stötteritz“ und „Kurfürstlich-Sächsischer Kreissteuereinnehmer“ Christian Felix Weiße einen hervorragenden Platz ein. Als Lyriker, Dramatiker, Singspiellibrettist, Redakteur und wesentlicher Mitbegründer der Kinderliteratur, dem die christliche Erziehung zutiefst am Herzen liegt, verehren die damaligen Stötteritzer ihren „Vater Weiße“ und lieben ihn mit seiner Gattin Christiana geb. Platner und den 5 Kindern herzlich im „wilden Dorf“.
Am 28. Januar 1726 wird er mit seiner Zwillingsschwester Johanne Christiana in Annaberg geboren. Der Vater, hochbeliebter Polyhistor der dortigen Lateinschule, erhält bald einen Ruf nach Altenburg. Alle Vorfahren der Zwillinge, väterlicher- und mütterlicherseits, waren Theologen oder Pädagogen mit zahlreichem literarischem Nachlass.
Christian Felix geht zum Studium der Theologie und Philologie nach Leipzig, um Lehrer zu werden, entwickelt sich aber schnell zum „Dichterfürst“ der Messestadt. Befreundet mit Lessing, Gellert und den Leipziger Theaterschaffenden, schreibt er unzählige Gedichte, Dramen, Lustspiele und Libretti für zehn bejubelte Singspiele, die Thomaskantor Johann Adam Hiller vertont. Goethe sitzt im Parkett. Weiße wird gefeiert und erhält „für den Broterwerb“ die Stelle des „Kurfürstlich-Sächsischen Kreissteuereinnehmers“ im Alten Amtshaus an der Thomaskirche.
Die Amtsstube wird zum Treffpunkt berühmter Persönlichkeiten Aufklärung. der Messegäste, Künstler, Bauern und Studenten geben sich die Klinke in die Hand. Die Stadtpfarrer schätzen Weiße und er dichtet Kirchenlieder für das Leipziger, Dresdener und Zollikofersche Gesangbuch. Als Redakteur einer Kunst- und Literaturzeitschrift pflegt er Kontakte von der Schweiz über England und Frankreich bis nach Russland. Tausende handgeschriebene Briefe gehen hin und her, 600 von ihnen hat Dr. Mark Lehmstedt in seinem Verlagin drei dicken Bänden veröffentlicht. Seit 1778 verbrachte er die Sommermonate mit viel Besuch in Stötteritz. 1790 fiel der Familie das Rittergut als Erbe zu.
Der Leipziger Geschichtsverein und die Goethegesellschaft luden am 28. Januar, dem Tage des 300. Geburtstages, zu einer Festveranstaltung 18 Uhr in die Leipziger Stadtbibliothek zu Vortrag, Lesung und Musik ein.
Und zum Stötteritzer Sommerfest am 13. Juni wollen wir mit Liedern, vertont von Mozart, Haydn und Beethoven, Gedichten, Fabeln und Spielen andas überreiche Leben unseres liebenswerten Jubilars erinnern.
Wer Lust hat, beim Sommerfest mitzuwirken, melde sich bitte bei mir: akh.mai@web.de oder 0341-8772034.
Von Anne-Kristin Mai erschien 2003 im Sax-Verlag Beucha das Buch "Christian Felix Weiße. Leipziger Literat zwischen Amtshaus, Bühne und Stötteritzer Idyll"
Am 8. Februar, 10 Uhr wollen wir den 300. Geburtstag von Weiße u.a. zusammen im Gottesdienst in unserer Marienkirche über seine Choräle erinnern.